Ein blonder Engel spielt wie der Teufel

Kammermusikforum

Lutz Görner und Nadia Singer ergänzen sich wunderbar.

Von BEATE KRANNICH 

Ein blonder Engel spielt wie der Teufel

Es ist ein ungleiches Paar, das da im Zeiss-Forum Oberkochen auf der Bühne steht – aber die junge Pianistin Nadia Singer und der erfahrene Sprecher Lutz Görner ergänzen sich wunderbar. Auf Einladung des Kammermusikforums Baden-Württemberg ließen die Künstler den Komponisten Ludwig van Beethoven in Wort und Musik lebendig werden – vor der prächtigen Kulisse des Wiener Konzerthauses.

Lutz Görner ist ein Routinier. Im lockeren Plauderton skizziert er das Leben van Beethovens, dessen flämischen Namen er mit „Rübenhofer“ übersetzt. Er erzählt von der Kindheit in Bonn und von dem vergeblichen Versuch, Schüler Mozarts zu werden, von dem Umzug nach Wien und dem damit verbundenen Kulturschock. Wie er Schüler von Haydn wird und dank reicher Gönner und guter Auftragslage ein Auskommen hat.

Der Sprecher mit der bunten Blümchenhose zitiert, durchaus mit Sinn für Humor, aus Briefen von Zeitgenossen, die Beethoven als genialen Pianisten beschreiben, aber auch als mürrischen, hässlichen, ungepflegten Eigenbrötler. Lutz Görner leiht seine Stimme dem elfjährigen Franz Liszt, der dem großen Komponisten einst seine Aufwartung machte. Da war der schon taub und seine Besucher konnten mit ihm nur über ein Konversationsheft kommunizieren. Görner lässt auch Beethoven selbst zu Wort kommen. In einem Brief an einen Jugendfreund artikuliert er die tiefe Verzweiflung über die beginnende Taubheit.

Nun wäre dieser Abend nur halb so schön, wenn es allein bei der fraglos vergnüglichen und anregenden Rezitation bliebe. Zum Glück ist Nadia Singer mit von der Partie. Die junge Pianistin ist eine Sensation und bringt das Format so richtig zum Leuchten. Ein blonder Engel, der wie der Teufel spielt. Präzise und transparent, impulsiv und leidenschaftlich, mit unbekümmerter Leichtigkeit und einem reichen Klangfarbenspektrum, virtuos und auswendig sowieso interpretiert die junge Künstlerin Sätze und Sonaten aus Beethovens Klavierwerk. Knisternde Spannung im Saal, wenn sie die Mondscheinsonate anstimmt oder den zweiten Satz der Pathétique. Die Zuhörer im gut besetzten Zeiss-Forum sind fasziniert vom ausdrucksstarken Spiel Nadia Singers. Begeisterter Applaus nach der Appassionata, der berühmten Klaviersonate in f-Moll, die in voller Länge erklingt. Sie würden gern wiederkommen, sagt Lutz Görner zum Abschied. Dann mit einem neuen Programm. Klavierabende zu Robert Schumann und Johannes Brahms sind bereits in Vorbereitung. 

Info: Im nächsten Konzert des Kammermusikforums spielt die Pianistin Rinko Hama am 24. März in der Villa Stützel in Aalen. Beginn ist um 19 Uhr.

© Schwäbische Post 04.03.2018 17:00